... mehr als Fußball

Vorschau: ATSV Mutschelbach - SSV Reutlingen 1905 Fußball

Zur letzten Vorrundenbegegnung empfĂ€ngt unser ATSV am Samstagnachmittag (Achtung: frĂŒhere Anstoßzeit um bereits 14.30 Uhr!) mit dem SSV Reutlingen einen ehemaligen Zweitligisten und frĂŒheren Deutschen Amateurmeister.

Herkunft und Historie des Gegners

Reutlingen ist mit gut 117.000 Einwohnern eine der 9 GroßstĂ€dte Baden-WĂŒrttembergs und von diesen als Große Kreisstadt des gleichnamigen Landkreises die einzige im „LĂ€ndle“ kreisangehörige ihrer Art. Ein Teil der Reutlinger Gemarkung gehört zum BiosphĂ€rengebiet SchwĂ€bische Alb, weshalb die Stadt auch als „Tor zur SchwĂ€bischen Alb“ bezeichnet wird.

Der SSV Reutlingen 05 ist mit ĂŒber 1.600 Mitgliedern der drittgrĂ¶ĂŸte Verein in der Stadt. Zuvor Teil des „Sport- und Schwimmvereins Reutlingen 1905 e.V.“, haben sich die Reutlinger Fußballer 2011 als eigenstĂ€ndiger „SSV Reutlingen 1905 Fußball e.V.“ verselbstĂ€ndigt.

Im Dunstkreis des deutschen WM-Titels 1954 begann auch die erfolgreiche Fußballgeschichte des SSV, als diesem 1950 und 1955 jeweils die Qualifikation zur Endrunde um die Deutsche Meisterschaft gelang und er damit in diesen beiden Jahren zu den 16 bzw. sogar 9 besten Mannschaften Deutschlands gehörte. SpĂ€ter belegten die Reutlinger in der Regionalliga in der Saison 1964/65 hinter dem FC Bayern MĂŒnchen den 2. Platz und scheiterten nur knapp in der Bundesligaaufstiegsrunde an Borussia Mönchengladbach. 1974 gelang dafĂŒr als Deutscher Amateurmeister der Aufstieg in die inzwischen eingefĂŒhrte 2. Bundesliga, auch wenn dieses Intermezzo zunĂ€chst nur eine Spielzeit andauerte. 1997 gewann man zum 2. Mal die Deutschen Amateurmeisterschaft und kehrte 4 Jahre spĂ€ter (2001) unter Trainer Armin Veh in die 2. Liga zurĂŒck. Im dort 2. Jahr stellten sich erstmals Probleme ein und es ging im Jahr 2003 nach einem 6-Punkte-Abzug aufgrund des Verstoßes gegen die Lizenzauflagen sowie der fehlenden Lizenz fĂŒr die Regionalliga, sogar in die Oberliga runter. Im Jahr 2006 kehrte man nochmals in die Regionalliga zurĂŒck, ehe es dann im Jahr 2010 zum „großen Knall“ kam. Aufgrund seinerzeit 4 Millionen Gesamtschulden meldete der Verein die Insolvenz an, um danach schuldenfrei immerhin in der Oberliga weiterspielen zu können. Dieser gehört man nun im 14. Jahr in Folge an und belegt in der „Ewigen Tabelle der Oberliga BW“ den 2. Platz. Der SSV nahm 15mal am DFB-Pokal teil und scheiterte zweimal erst im Achtelfinale, u.a. 1992 nur ganz knapp nach VerlĂ€ngerung gegen Bayer Leverkusen.

In der vergangenen Saison 2022/23 konnte der SSV Reutlingen gerade noch so den Abstieg in die Verbandsliga vermeiden. Nach einer ganz schwachen RĂŒckrunde (vorletzter RĂŒckrundenplatz) war man als 14ter punktgleich mit dem 16ten und ersten Absteiger Rielasingen-Arlen. Das bessere TorverhĂ€ltnis (minus 17 gegenĂŒber minus 20) rettete den Verein vor dem seit dem 2. Weltkrieg erstmaligen Abrutschen auf Verbandsebene.

Der SSV Reutlingen in der Saison 2023/24

Nach dem knapp erreichten Klassenerhalt merkte der seit Winter 2022 als Trainer im Amt stehende A-Lizenzinhaber Maik Stingel an: „Wir werden die kommenden Wochen nutzen, um die Köpfe freizubekommen und um uns selbst zu reflektieren. Wir brauchen einen Neuanfang!“ Dieser Neuanfang ging einher mit einem grĂ¶ĂŸeren personellen Umbruch. WĂ€hrend die Stamm- bzw. Vielspieler Eiberger (langjĂ€hriger KapitĂ€n), Mayer, Sagert, Cabraja, Nuraj, Sanyang, J. Djermanovic sowie 5 weitere ErgĂ€nzungsspieler den Verein verlassen haben, sind seit Sommer neu im Kader der frĂŒhere Drittligaspieler und regionalligaerfahrene Trianni (zuletzt Atlas Delmenhorst, zuvor u. a. VfR Aalen), der langjĂ€hrige Regionalligaspieler Plattenhardt (zuletzt FC Homburg, bereits 2017/18 Reutlingen), der ebenfalls regionalligaerfahrene Kaiser (Bietigheim-Bissingen, zuvor u. a. Stuttgarter Kickers), Ilic (SSV Ulm), Adrovic (Rielasingen-Arlen), Inan (Göppinger SV) und Schaal (VfL Pfullingen). Die beiden Letztgenannten entstammen ursprĂŒnglich aus der eigenen Reutlinger Jugend.

Highlight der Reutlinger Sommervorbereitung war aus Anlass des 70jĂ€hrigen JubilĂ€ums der HeimspielstĂ€tte „Stadion an der Kreuzeiche“ am 15.07. das Freundschaftsspiel gegen den Bundesligisten VfB Stuttgart, bei dem man sich mit einem 0:4 achtbar aus der AffĂ€re zog. Im wĂŒrttembergischen Verbandspokal hat man sich inzwischen bis ins Viertelfinale vorgespielt. In der 3. Runde hatte man dabei Mitte September beim 1:0-Sieg im Derby beim Landesligisten Young Boys Reutlingen seine liebe MĂŒhe und gewann erst durch ein Last-Minute-Tor mit 1:0. Dabei kam es zu „Differenzen“ der beiden Fanlager und der SSV sah sich ob VorwĂŒrfen des gegnerischen Vereins zu einer Gegendarstellung veranlasst.

Ist nun in der laufenden Saison gleich alles besser? Der SSV-Aufsichtsratsvorsitzende Kolb sah sich gerade erst dieser Tage dazu veranlasst, wie folgt Stellung zu beziehen: „Sicherlich ist die sportliche Situation und der Tabellenplatz der Ersten Mannschaft des SSV Reutlingen derzeit nicht zufriedenstellend. In dieser Situation ist es allerdings besonders wichtig, dass nicht alles infrage gestellt wird. (
) Der SSV ist fest entschlossen, die sportliche Situation zu verbessern und den Verein auf allen Ebenen weiter voranzubringen.“ Wie lief vor diesem Hintergrund fĂŒr den SSV die bisherige Oberligasaison?

FrĂŒh gab es den ersten Saisongegentreffer, in Minute 2 des ersten Saisonspiels zuhause gegen den Aufsteiger Normania GmĂŒnd, der die 0:1-Auftaktniederlage besiegelte. Trotz einer 1:0-FĂŒhrung musste man sich anschließend auch in Hollenbach mit 1:5 geschlagen geben. Dann aber zwei deutliche Siege, mit 4:1 gegen Holzhausen und 5:1 in Oberachern. Niederlagen, Siege und Unentschieden wechselten sich zunĂ€chst ab: 1:4 in Pforzheim (nach 1:0-FĂŒhrung), 4:0 gegen Offenburg, 0:2 beim VfR Mannheim, 2:2 gegen Ravensburg und 5:1 gegen Essingen (nach 0:1-RĂŒckstand). Zuletzt nun aber 7 Spiele ohne Sieg und dabei 3 Unentschieden: 1:4 in Denzlingen, 0:3 gegen Villingen, 2:2 gegen Bietigheim-Bissingen (nach 0:2-RĂŒckstand), 0:1 gegen Backnang und 1:3 bei Sonnenhof Großaspach. Ende Oktober hatte man den aktuellen TabellenfĂŒhrer Göppingen am Rande einer Niederlage, die Göppinger konnten in der Nachspielzeit gerade noch zum 2:2 ausgleichen. Ein weiteres Unentschieden gab es am vergangenen Samstag mit einem 1:1 gegen Nöttingen. Dies bedeutet vor dem letzten Vorrundenspieltag mit 4 Siegen, 4 Remis und 8 Niederlagen sowie damit 16 Punkten, den derzeit ersten potentiellen Abstiegsplatz. Mit 29 hat man die siebtmeisten Treffer in der Liga erzielt und mit 33 die fĂŒnftmeisten Gegentreffer ligaweit kassiert. Ein TorjĂ€ger hat sich in Reihen der Reutlinger bisher noch nicht herauskristallisiert, auf je 4 Treffer kommen Gorgoglione (im Vorjahr mit 13 bester TorschĂŒtze), V. Djermanovic und Neuzugang Trianni.

Die Situation bei unserem ATSV

Nach zuvor 7 ungeschlagenen Spielen und nach Spieltag 14 Platz 6, musste unser ATSV in den letzten beiden Spielen leider Niederlagen einstecken. Nach der aufgrund einer schwachen 1. HĂ€lfte 1:3-Heimniederlage gegen Backnang, bot unser Team am vergangenen Samstag beim neuen TabellenfĂŒhrer Göppinger SV eine richtig gute Leistung, die trotz 40minĂŒtiger Überzahl leider nicht mit einem Punktgewinn belohnt wurde. Auch der gegnerische Trainer lobte unsere Elf fĂŒr ihr gutes Umschaltspiel. Er selbst hatte in seinen Reihen einen Spieler, der an seinem Geburtstag das 1:0 erzielte (5.) und in der 51sten dann vom Platz flog. Besonders Ă€rgerlich aus ATSV-Sicht, dass der 2. Gegentreffer unmittelbar nach dieser Roten Karte fĂŒr den Gegner fiel. Leiss konnte in der Nachspielzeit nur noch zum 1:2 verkĂŒrzen. Unsere Mannschaft ist somit mit 23 Punkten (6 Siege, 5 Unentschieden, 5 Niederlagen) leicht auf Platz 8 abgerutscht. Der Vorsprung auf den ersten Relegationsabstiegsrang #13 betrĂ€gt 5 Punkte. Unser Team gehört mit 36 erzielten Treffern (2,25 je Spiel) zu den offensivstĂ€rksten der Liga, nur vier Kontrahenten haben schon öfter getroffen (Bestwert der Tabellendritte Villingen mit 43). In defensiver Hinsicht gibt es aber unweigerlich Verbesserungsbedarf, mit 35 hat man zusammen mit dem Drittletzten Denzlingen die zweitmeisten Gegentreffer aller Oberligateams hinnehmen mĂŒssen (schlechter nur Schlusslicht Offenburg mit 47).

Die bisherigen Duelle

Der Direktvergleich reduziert sich selbstverstĂ€ndlich auf die beiden Begegnungen in der vergangenen Saison. Aus ATSV-Sicht liest sich dieser aber Ă€ußerst angenehm, es stehen nĂ€mlich 2 Siege zubuche. In der Vorrunde in Reutlingen „An der Kreuzeiche“ lieferte unser Team eine kĂ€mpferische Klasseleistung ab, erzielte beim 2:1 die Tore durch KapitĂ€n Malsam (37. Elfmeter) sowie Lindner (53.) und konnte auf ein starkes Abwehrbollwerk und einen ĂŒberragenden Keeper Bleich bauen. In der RĂŒckrunde gingen die Reutlinger GĂ€ste per Elfmeter frĂŒh in FĂŒhrung (11.), Weizel konnte noch vor der Pause zum 1:1 ausgleichen (43.). SpĂ€testens in der 2. HĂ€lfte drehte unser ATSV dann auf und traf noch viermal (Batke/51., Lindner/70., Weizel/76. und Leiss/51.) zum deutlichen 5:1-Heimsieg. Das Ergebnis entsprach in dieser Höhe sicherlich nicht dem Spielverlauf gegen in HĂ€lfte 1 starke Reutlinger, allerdings gab es insgesamt am ATSV-Sieg nichts zu deuteln. In bester Erinnerung bleibt uns der 2. Treffer von Weizel mit einem 60-Meter-Weitschuss Marke „Tor des Monats“.

Was sagt unser Trainerduo?

Dietmar Blicker, auch im Namen seines Trainerkollegen Marco Kratzer: „Wir waren trotz der Niederlage mit der Leistung der Mannschaft in Göppingen zufrieden. Wir haben ein sehr gutes Spiel gemacht, nur eben unnötig Punkte verschenkt gegen den TabellenfĂŒhrer. Jetzt gegen Reutlingen haben wir die Chance, mit drei Punkten das gleiche Punkteergebnis wie nach der letztjĂ€hrigen Vorrunde zu erreichen. Dies wĂ€re natĂŒrlich ĂŒberragend im zweiten Oberligajahr. Reutlingen hat in den letzten Spielen eigentlich ganz gut performt, unter anderem in der Vorvorwoche 2:2 gegen Göppingen gespielt. Uns erwartet ein Gegner, der sicherlich wie die meisten Mannschaften in der Oberliga, alles schlagen kann, was da kommt. Es wird damit wieder ein 50/50-Spiel werden und wir freuen uns darauf.“

Auf gehtÂŽs zum letzten Vorrundenspiel

Seid mit dabei, wenn unsere Waldenser Jungs die Vorrunde mit einem Heimspiel beschließen. Auch mit eurer UnterstĂŒtzung sollen die nĂ€chsten drei Punkte eingefahren werden, damit der Blick auf die Vorrundenendtabelle dann richtig Spaß machen wird!

Cookies